100 %-Eltern, wieso denn nicht?!

Mann sieht das Kind nur am Wochenende. Wenn die Frau dies so lebt, steht sie in der Kritik.

Mann sieht das Kind nur am Wochenende. Wenn die Frau dies so lebt, steht sie in der Kritik.

Immer wieder beobachte ich sehr heftige Negativreaktionen, wenn es darum geht, dass Eltern beide 100 % arbeiten. Sehr emotional wird es, wenn die Forderung im Raum steht, dass auch die Mutter 100 % arbeiten dürfe.

Die Antwort ist manchmal ein sogar sehr wütendes: „Dann soll man keine Kinder haben, wenn man so viel arbeiten will!“

Solche Reaktionen stammen vorderhand von Eltern oder Personen mit  Kinderwunsch. Zugegeben – möglicherweise lehne ich mich bei solchen Gesprächen jeweils zu stark aus dem Fenster. Doch was veranlasst diese Menschen ein solch  generelles, moralisches Urteil zu fällen? Wo es doch heissen sollte: „Dies ist deine Entscheidung, ich würde es jedoch nicht so wollen… “

Kinder werden als Gemeingut betrachtet und der Umgang mit ebendiesen ist sehr starken gesellschaftlichen Forderung untergeordnet. Das Kindeswohl wird unhinterfragt über das von Erwachsenen gestellt, alles andere gilt als egoistisch. Nur WAS das „Kindeswohl“ genau ist, weiss eigentlich niemand!

Hier die Argumente zur Unterstützung der 10 % Vollzeit arbeitenden Schweizer Eltern (alle mit Kindern unter 6 Jahren, BFS 2012):

  1. Viele Elternteile (v.a. Väter) arbeiten 100 %. Ihnen macht niemand einen Vorwurf! Obwohl Studien zeigen, dass vor allem kleine Buben an der überhand von weiblichen Bezugspersonen leiden sollen.
    Die emotionalen Aussagen („dann hab keine Kinder“) richten sich fast ausschliesslich an Mütter, die „nicht gute Mütter sein wollen“. Solche Anfeindungen richten sich gegen die freie Entfaltung des weiblichen Lebens. Wie schon Iris von Roten geschrieben hat, fehlt jedoch die Begründung, weshalb ein Kinderleben über dem Frauenleben stehen soll.
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  2. Für den erwerbstätigen Elternteil spielt es keine Rolle, ob das Kind fremd betreut wird oder durch den anderen Elternteil. Im Hausfrauenmodell sieht der Vollzeitarbeitende (zumeist der Vater) das Kind nicht häufiger, wenn dies durch die Mutter betreut wird oder durch eine andere Person seines Vertrauens.
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  3. Noch wenn beide Eltern 100 % arbeiten, sehen diese (gemeinsam oder alleine) das Kind 35-40 Stunden pro Woche!
    Summiert man die mögliche Elternzeit (egal ob mit Vater oder Mutter) bei Bürozeiten-Jobs, kommt – knauserig gerechnet – folgendes zusammen:
    Eine Stunde am Morgen mit aufstehen, frühstücken, Kind zum Hort/Schule bringen. Weitere zwei Stunden am Abend, da das Kind bis spätestens 18 Uhr abgeholt werden muss und um 20 Uhr ins Bett geht. Dies fünf Tage die Woche plus die Wochenenden mit je 10-12 Stunden, je nach dem vieviel das Kind schläft.
    Zusammengezählt entspricht dies einem 80-90 %-Arbeitspensum! Ist das den wenig?
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  4. Die Familien in der Schweiz sind klein, ein bis zwei Kinder. Wenn Eigenbetreuung der Kinder gefordert wird, impliziert dies, dass das Zusammensein der Kinder mit den Eltern besser ist als mit ungefähr Gleichaltrigen. Möglicherweise steht die Überbetreuung von elterlicher Seite der Entwicklung zu selbständigen jungen Menschen im Weg.
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  5. Mit zunehmendem Alter des Kindes nimmt die Zeit ab, die es mit den Eltern verbringt. Ob Vollzeit gearbeitet wird oder nicht. Ab vier Jahren verbringt das Kind zunehmend Zeit im  obligatorischen Kindergarten und später in der Schule. Und ab einem gewissen Alter sind die Kinder dankbar um jede Minute, welche die Eltern dem Hause fernbleiben. Hart, aber wahr…
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  6. Kinder kosten. Was spricht dagegen, das nötige Geld ohne staatliche Subventionen zu beschaffen? Egoistisch ist nicht, die beruflichen Möglichkeiten voranzutreiben um die Familienausgaben zu bezahlen, sondern die Familie stets zu vergrössern, minimal zu arbeiten und sich vom Staat – also von den Mitmenschen – finanzieren zu lassen.

Nun möchte ich kurz auflisten, was Eltern verhindert, Vollzeit zu arbeiten:

  • Rabenmutter-Ethos: Eine Frau, die geboren hat, hat Mutter zu sein und darf nicht Frau bleiben. Sie hat sich dem Nachwuchs unterzuordnen, sich einen guten Ernährer zu ergattern und soll frühestens wenn die Kinder gross sind ihren eigenen Interessen nachgehen.
  • Strukturen im staatlichen Erziehungssystem: Unverständlicherweise schicken Schulen, Kindergärten etc. die Kinder immer noch nach Hause zum Zmittag, wenn möglich zu unterschiedlichen Zeiten. Die Forderung von I. von Roten aus dem Jahre 1958 nach Blockzeiten und Tagesstrukturen ist im Jahr 2013 nur vereinzelt erfüllt!
  • Frauen verdienen weniger! Sie arbeiten häufiger in schlechter bezahlten Berufen, auf schlechter bezahlten Positionen oder auf anteilsmässig schlechter bezahlten Teilzeitstellen.
  • Subventionssystem: Der Staat hindert die Eltern mehr arbeiten zu gehen, da diese mit Arbeit und nach Wegfall der Subventionen – vor allem bei weniger gut bezahlten Jobs – über weniger Geld verfügen.

Diese Zusammenstellung zeigt, dass auch strukturelle Gegebenheiten die freie Lebensgestaltung der Frauen in familiären und beruflichen Belangen einschränkt. Gesellschaftliche Akzeptanz wäre jedoch bereits sehr hilfreich! Also habt Verständnis, ich bin auch nur eine Frau (die frei sein will)!

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Eine Antwort zu 100 %-Eltern, wieso denn nicht?!

  1. kirschbaum schreibt:

    nur zu 3.
    Wenn beide Arbeiten wird einer von beiden jeweils Morgens oder Abends die Kinder kaum sehen. so läuft es bei uns und wir arbeiten beide Teilzeit. Es ist ja auch nicht so dass die Zeit dann 100% für die Kinder zur Verfügung steht. Zu bedenken wäre auch noch das die Kindheit nur einen Augenblick dauert.

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