Filmtipp (3): Wo bleibt der Fair Trade Sex?

Strassenprostituierte bei der „freien“ Berufsausübung.

„Traumland“ führt uns als Spielfilm vor Augen, was sich hier unter uns täglich abwickelt – nicht etwa im fernen „Amerika“ oder „Afrika“: Prostituierte auf dem Strassenstrich. Der Film mit langsamer Kameraführung und verwickelter Erzählweise mag nicht jedermanns Sache sein, er zeigt jedoch gnadenlos die Realität – und ich denke ohne Übertreibung.

In der Politik flammt das Thema mit Verrichtungsboxen oder Kriminalisierung der Freier mit steter Regelmässigkeit auf. Im Schweizer Parlament spricht man von Wirtschaftsfreiheit, die auch für sexuelle Dienstleistungen gelten solle. Kürzlich wurde diese sogenannte „Freiheit“ anderen Berufen angeglichen. Ist dies nicht ein Hohn, wenn von freier Berufsausübung der Sexarbeiterinnen nicht die Rede sein kann? Wenn hinter jeder Prostituierten ein geldgieriger Zuhälter sitzt, wenn massive Gewalt eingesetzt werden muss, dass eine Frau unter diesen Bedingungen „arbeitet“?!

Prostitution ist sehr eng mit dem Menschenhandel verbunden. Stellensuchenden Frauen aus armen Ländern werden Jobs in Westeuropa versprochen oder sie werden bereits zur Emigration geprügelt. Idealerweise haben solche Frauen ein Kind. Drohungen das Kind umzubringen, verringert den Aufwand für den Zuhälter die Frau mit regelmässiger Vergewaltigung und Austeilen von Schlägen zum Weitermachen zu bewegen.

Folgendes geschieht: Männer – häufig ebenfalls aus Ländern mit wenig Zukunftsperspektive – stellen die Ware „billigen Sex“ für Männer in reicheren Ländern bereit. Sie erledigen, was für die Metzgerin für den Fleischesser macht: Gewalt an der Kreatur! Damit Mann sich für Fr. 50.- im Auto rasch eins blasen lassen kann. Müssten die Konsumenten diese Gewalt selber anwenden, würde die Nachfrage drastisch fallen – jedenfalls versichern dies Fleischgeniesser auf Nachfrage: „Nein ein Rind schlachten, das wäre mir zu viel“. Eine vermutlich nicht sehr kleine Gruppe von Männern lebt in einem mafiösen Zustand, die „nötige“ Gewalt an Frauen wird delegiert.

Ob Bezahl-Sex grundsätzlich verwerflich ist, wenn beide Parteien freiwillig dazu bereit sind, soll hier später Thema sein. Die Strassenprostitution sucht die Freiwilligkeit offensichtlich irgendwo im Abwasserschacht. Wie kann ein Mann dies völlig ausblenden? Wie kann ein Mann den „Service“ überhaupt geniessen, wenn doch klar ist, wie viel Gewalt im Spiel ist? Je nach Quelle gehen bis 50 % der Männer einmal im Monat zu Prostituierten. Wenn das korrekt ist – und angenommen soziale Durchmischung und so weiter – so „konsumiert“ jeder zweite Mann, der mir über den Weg läuft, ein ethisch höchst defizitäres „Vergnügungssprodukt“. Die gleichen Typen kaufen wohl schön brav Bananen mit Fair Trade-Logo und das Gewissen ist wieder sauber …

Zum Film: Traumland (movies.ch)

PS: Meine längere Abwesenheit war beruflich bedingt, nicht aus mangelndem Interesse an den hier diskutierten Themen…

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